The Liberalist: Wie schätzen Sie, Ihre Exzellenz Herr Botschafter, die Bewältigung der Corona Krise in Taiwan mit Hinblick auf die schnelle Registrierung der chinesischen Fallzahlen ein?

Prof. Dr. Shieh: Zunächst einmal würde ich sagen, dass ich über unsere Bekämpfung nicht stolz, sondern glücklich bin. Ich sage dahingehend „Eigenlob stinkt“. Die aktuell bestätigten Fälle, sind 446 Infektionen und 7 Todesfälle. Dabei haben wir jedoch nicht nur Glück gehabt. Wir haben vor 17 Jahren sehr bittere Erfahrungen mit dem SARS-Virus gehabt, das war 2003. Damals starben weltweit knapp 800 Menschen. Ungefähr ein Zehntel davon in Taiwan. Wir waren völlig überrascht, überfahren sozusagen, von dem uns damals völlig unbekannten SARS-Virus. Seitdem haben wir uns gesagt: „Das darf uns nicht mehr passieren.“ Wir haben A, ein Frühwarnsystem auf die Beine gestellt. Dieses hat uns sehr, sehr genützt, bei der vorzeitigen Eindämmung des Ausbruchs des Virus. B; alle chinesischen Informationen mussten wir dreimal, oder fünfmal auf die Authentizität, auf die Wahrhaftigkeit hin überprüfen. Kurz gesagt, wir trauen denen nicht über den Weg. Nicht den Chinesen, sondern dem kommunistischen Regime. Drittens, C, was die WHO anbelangt: Da haben wir uns gesagt, „Zwar dürfen wir an der WHO weder als Mitglied noch als Beobachter mitwirken, aber wir wollen uns trotzdem bemühen an der Jahreshauptversammlung der WHO teilzunehmen.“ Selbst wenn wir jedoch mitwirken könnten, sollte der ganzen Welt klar geworden sein, ganz Europa klargeworden sein, dass die WHO auf eine ganz ungesunde Weise unter dem Einfluss von China steht. Das Problem ist ja, dass China wirtschaftliche und geopolitische Beeinflussungsvermögen hat. Kurz gesagt, die WHO hat die Beeinträchtigung des globalen Gesundheitswesens in Kauf genommen, nur, weil sie nicht in der Lage waren, aus welchem Grund, darüber kann man streiten, dem Druck von China zu widerstehen.

Der Einfluss Chinas war damals sehr schlecht für Taiwan (mit Hinblick auf die SARS-Pandemie) und dieses Mal, 17 Jahre später haben wir uns Aufgrund unserer Erfahrungen, ich will nicht von Glück sprechen, uns auf uns selbst verlassen und nicht auf die WHO.

Taipei, die Hauptstadt Taiwans

Das nächste dürfte vieler Orts bekannt sein. Am 31 Dezember, dem letzten Tag von 2019 haben wir eine Mittelung aus China erhalten. Das war die Mitteilung von dem lokalen Gesundheitsamt, welche an einige Behörden und Mediziner geschickt wurde. Sie beinhaltete A; dass es 7 bestätigte Fälle von Infektionen mit einer neuartigen Lungenkrankheit gäbe. Die Symptome der Patienten erinnerten stark an die Symptome des SARS-Virus von 2003. Die entscheidende Information darüber hinaus war, dass diese Patienten bereits unter Isolation behandelt werden würden. Das bedeutet, dass es anzunehmen ist, dass es wahrscheinlich ist, dass die Krankheitserreger von Mensch-zu-Mensch übertragen werden können. Unsere Vermutung war auch in diese Richtung hin gerichtet. Diese Vermutung wurde später betätigt. An demselben Tag, dem 31. Dezember, haben wir eine E-Mail an die WHO geschickt. Diese Mitteilung beinhaltete die Information über das Auftreten von Infektionen mit einem SARS-ähnlichem Virus. Wir haben der WHO klipp und klar gesagt, klare Informationen gegeben, was die Lage in Wuhan anbelangt. Die WHO hat nicht reagiert. Das heißt aber, wenn wir keine neuen Informationen haben, dass die WHO diesen Fall checken soll, es geht doch um Leben und Tod. Es wurde auch später in einer Zeitung geschrieben, dass man die Warnung von Taiwan nicht hätte ignorieren dürfen und die Interessen von China nicht hätte hofieren sollen. Was wir gemacht haben, war die sofortige Aktvierung des Frühwarnsystems, welches im Jahre 2003 nach dem SARS-Virus bereits auf die Beine gestellt worden war. Zu den ergriffenen Maßnahmen zählten auch das Senden von ein paar Spezialisten nach Wuhan. Um genau zu wissen was Sache ist, aber auch um unsere Unterstützung anzubieten. Taiwan ist in diesem Fall gut ausgestattet. Wir haben unsere Bitte mit folgender Tatsache begründet: In Wuhan arbeiten und leben mehr als 1 Millionen Taiwaner. Jede Information diesbezüglich ist für uns also von entscheidender Wichtigkeit. Von den Millionen genannten Menschen pendeln wöchentlich oder monatlich viele zwischen China und Taiwan.

Die (China), haben unsere Bitte auf die lange Bank geschoben und erst am 11. Abend bekamen wir die Bejahung. „Ja ihr könnt kommen, aber bitte nicht so viele.“ Wir haben dann am nächsten Tag sofort zwei medizinische Experten nach Wuhan geschickt. Einer davon war der stellvertretende Minister für Gesundheit. Die beiden sind für zwei Tage da gewesen und wollten den Meeresfrüchtemarkt, den Wuhaner Markt, besuchen. Das ging jedoch nicht, der Markt war geschlossen. Wir wollten auch mit den bestätigten Infizierten sprechen. Nein, die waren schließlich isoliert. Dann wollten wir mit den behandelten Ärzten sprechen, die sind ja nicht isoliert. „Nein, die sind bis über die Ohren beschäftigt mit der Behandlung.“ Aber immerhin haben wir es hingekriegt, bei einer Sitzung teilzunehmen, bei der auch medizinische Experten aus einigen Südostasiatischen Ländern, also internationale Experten vertreten waren. Bei dieser Sitzung hat man eine gemeinsame, aber wichtige signifikante Frage gestellt. Durch diese Frage erfuhren wir nämlich, dass ein Fall bekannt geworden ist, bei dem sich ein Ehepaar infiziert hat. Der Mann hatte in dem Markt gearbeitet, dort wird er sich infiziert haben. Die Frau hat jedoch nichts mit dem Markt zu tun. Das heißt, der Mann ist mit den Wildtieren, den Fischen, den Fledermäusen in Kontakt gekommen und hat sich dadurch infiziert. Aber die Frau kann nur durch den Mann angesteckt worden sein. Das heißt, die Übertragung von Mensch-zu-Mensch des Krankheitserregers ist nicht nur möglich, sondern auch bestätigt, nachgewiesen worden. Und die Frage auf die Tatsache hin an die chinesischen Mediziner, die wurde weder mit ja noch mit nein beantwortet. Die versuchten sich aus der Schlinge zu ziehen, indem sie sagten, dass es anzunehmen wäre, dass es so ist, es dafür jedoch keine Bestätigung gäbe. Für uns, für die Fachleute, war es sofort klar, dass die Antwort ja ist, dass die direkte Übertragung möglich ist. Zwei Tage später kamen die zwei Fachleute zurück nach Taiwan und sofort nach der Landung aktivierten sie die nächste Stufe des Frühwarnsystems.

Das heißt, dass in den darauffolgenden Tagen die Fluggäste aus Wuhan, da es ja mehrmals am Tag Direktflüge gab, sofort nach der Landung in der Maschine getestet wurden, die Körpertemperatur geprüft wurde und die Passagiere auf mögliche Symptome überprüft wurden.

The Liberalist: Ihre Kommission war, so nehme ich an, am 12. Januar in Wuhan bei dieser internationalen Konferenz?

Prof. Dr. Shieh: Genau, am 12. Januar. Das heißt, schon nach der Information vom 31. Dezember wurden schon bereits kleine Maßnahmen ergriffen. Nach dem 12. Januar wurden diese noch verstärkt. Wie gesagt wurden erst die Flüge aus Wuhan und dann die Flüge aus ganz China, Macao und Hongkong gestoppt. Nach und nach haben wir dann auch im März internationale Flüge gestoppt.

Und wichtig ist auch folgendes, dass nicht so sehr beachtet wurde und uns die Erfahrung gelehrt hat; Masken tragen hilft! Es gibt sehr unterschiedliche Ansichten und ich weiß, da ich die ganze Zeit in Deutschland bin, dass man sich mit dem Maskentragen schwertut. Und das ist auch kulturell bedingt. Bei uns ist das wesentlich weniger der Fall. Es leben in Taiwan Menschen dicht an dicht. Auf der Inselrepublik leben ja knapp 23,78 Millionen Menschen auf einer Landesfläche, die ungefähr so groß wie Baden-Württemberg ist. Aber höchstens ein Drittel der Fläche ist bewohnbar. Der Rest, mehr als zwei Drittel ist Gebirge. Die Gipfel sind teilweise höher als 3.000 Meter. Das heißt, die Menschen leben ziemlich dicht nebeneinander. Das bedeutet, wenn man unter solchen Bedingungen lebt und arbeitet und morgens rausgeht, dann hat man eine Maske auf. Das ist Gang und gebe. Und wenn man erkältet ist oder krank ist, dann ist man auch empfindlicher, dann hat man auch einen Mundschutz auf. Das ist in Deutschland ganz anders, bei dem Begriff Schutzmaske, dann denken die Deutschen an Maske und die Taiwaner an Schutz. Das ist der Unterschied. Dafür ist es für die Deutschen leichter den sozialen Abstand einzuhalten, da das Land viel mehr bewohnbare Fläche hat. Ich habe auch Verständnis dafür, wenn man sich schwer tut mit der Maskenpflicht. Was das Tragen der Maske anbelangt gibt es jetzt auch durch die WHO und das RKI eine Bestätigung: Schutzmasken tragen hat eine Präventionsfunktion. Entweder man schützt sich oder man trägt dazu bei, dass man bei einer Infektion den Virus nicht verbreitet, man schützt die Familie, die Arbeitskollegen, etc. Und damit haben wir früh angefangen. Bei den Präventionsmaßnahmen gibt es jedoch noch etwas, was für die Europäer und für die Deutschen interessant sein könnte.

Als wir gemerkt haben, dass die Anzahl der bestätigten Fälle in China übernahm, haben wir folgendes gemacht: Einreisende, die Symptome zeigen, oder Teilsymptome haben, oder die Symptome erst ein paar Tage nach der Einreise zeigten, bei denen man nicht weiß, ob dies eine Corona Infektion ist, können mit dem Krankenversicherungssystem in Taiwan geschützt und registriert werden. Seit 1996, also seit über 20 Jahren, haben wir ein vollständig vernetztes Krankenversicherungssystem. Jeder Staatsbürger, vom kleinen Bürger, bis zu den Ältesten, sind ausnahmslos miteinbezogen. Auch bspw. ausländische Studenten werden miteinbezogen. Das heißt, jeder hat eine digitale und digital lesbare Versicherungskarte. Und wenn eine Person zum Arzt geht und der Arzt den Verdacht auf eine Infektion hat, dann wäre es hilfreich zu wissen, wo er sich aufgehalten hat. Angenommen der Eine kommt aus Deutschland, hat sich dort als Tourist aufgehalten und ein Anderer kommt aus China, da er dort auf Geschäftsreisen war. Diese Information über den Aufenthalt würde bei der Nachverfolgung sehr helfen. Der Vize Ministerpräsident, der selber ein Arzt ist, hat angeordnet, dass die internationale Gesundheitsdatenbank und die Datenbank des Immigrationsministeriums ineinander in Verbindung gebracht werden. Und seitdem kann jeder Arzt, der die digitale Krankenversicherungskarte vor sich hat, den Reiseverlauf des Patienten nachvollziehen.

The Liberalist:  Geschieht das denn auf freiwilliger Basis oder wie sehen Sie das mit Hinblick auf den Datenschutz?

Prof. Dr. Shieh:  Das ist eine gute Frage. Sie sind ja nicht der erste, der mich das fragt. Dazu gehe ich in ein paar Sätzen auf die Hintergrundgeschichte dazu ein. Taiwan wurde von 1895 bis 1955, ein halbes Jahrhundert, regiert von den Japanern. Das war das Ergebnis von einem Krieg. Die Chinesen haben den Krieg verloren und mussten unter anderem Taiwan an die Japaner abtreten.

Die Japaner waren im 19. Jahrhundert sehr fortgeschritten und galten als sehr modernisiert. In der Seuchenforschung waren sie vergleichsweise gut, sehr gut sogar. Das heißt, Taiwan hatte in der Zeit eine gute medizinische Struktur zu Verfügung. Und nach 1945, nach dem zweiten Weltkrieg, wurde Taiwan wieder zurückgegeben an China. Dann wurde Taiwan 38 Jahre lag mit Kriegsrecht regiert. Taiwan war vergleichbar mit einer Diktatur. Erst nach 1987 wurde Taiwan von der Diktatur befreit und seitdem entwickelt sich Taiwan zu einer immer etablierteren Demokratie. Es gab inzwischen schon drei Mal Regierungswechsel. Das heißt: Jede Regierungsparteiweiß, dass die Wiederwahl einzig und allein in der Hand des Volkes liegt. Wer diese Daten missbraucht, der wird öffentlich zur Rechenschaft gezogen. Für ähnliche Dinge sind schon Bürgermeister und Minister zurückgetreten. Das heißt: Das Volk hat kein Misstrauen gegenüber der Regierung. Umgekehrt hat jede Regierungspartei Angst davor, dass eines von den Kabinettmitgliedern eine Dummheit begeht. Also, besteht ein gesundes Verhältnis in der praktizierten Demokratie. Ich habe immer gesagt, dass diese Demokratie derart etabliert ist, dass wir von einem „Volkswagen-Prinzip“ sprechen können. In diesem Fall bedeutet dieses Prinzip, dass wir das Volk sind und wir es auch wagen dürfen. Gut, es gibt immer noch NGOs die sagen „Passt auf, da werden Daten missbraucht.“ Aber im großen Ganzen weiß jeder, dass diese Datenbankkombination dem guten Zweck dient. Nämlich der Eindämmung des Ausbruchs des Virus. Jeder des sich an die SARS-Epidemie zurückerinnert, der sagt, dass er den möglichen Missbrauch der Daten in Kauf nehme. Von daher sind diese Maßnahmen hilfreich beim Rückverfolgungsprozess.

The Liberalist: Es wird sozusagen die Heiligung der Mittel durch den Zweck vom Volk initiiert?

Prof. Dr. Shieh:  Das Volk ist sich dessen bewusst, dass die Regierungspartei immer Angst davor hat aus irgendeinem Grund bloßgestellt zu werden. Und jetzt muss man noch hinzufügen, dass der Unterschied zwischen Taiwan und China der ist, dass bei uns eine hundertprozentige Redefreiheit gegeben ist. Solch eine Annahme kann man für China durchaus nicht machen.

Ich möchte hierbei kurz an einen Arzt in China namens Li Wenliang erinnern. Er war ein Augenarzt in einem der zentralen Krankenhäuser in Wuhan. Es liegt also in der Natur der Sache, dass er leicht in Kontakt mit dem Virus oder Informationen über das Virus gewinnen konnte. Dabei hat er eines festgestellt: Strengste Vorsicht ist geboten! Er schrieb auch seinen Kollegen Mitteilungen, dass ein schockierendes Virus um sich griffe. In Deutschland hätte man so einen Arzt schon lange zu einer Talkshow oder zu Regierungsvertretern eingeladen. In Taiwan genau das Gleiche. Was ist ihm aber zugestoßen?

In China wurde er unmittelbar nach seinen Miteilungen zu einer sogenannten „Tasse Tee“ zur Polizei eingeladen. Dieser Ausdruck heißt in China sowohl bei der Polizei als auch bei der Mafia, dass er sich unter strengster Kontrolle oder sogar einem Verhör stellen muss. Er wird bedroht und vor allem eingeschüchtert. Das ist in China Gang und Gebe. Das versteht dort jeder. Wenn dort jemand zu einer „Tasse Tee“ eingeladen wird, dann muss er damit rechnen dort nichtmehr herauszukommen oder dass er auf einem Auge blind rauskommt oder danach ins Krankenhaus muss.

The Liberalist: Dann stellt sich doch die Frage wieso in der EU die Beziehungen zu China auf diplomatischer Ebene aufgrund des Ein-China-Prinzips, welches von der UN 1992 verabschiedet wurde, aufrechterhalten werden und die Beziehungen zu Taiwan nicht verstärkt werden. Was wäre dahingehend, Ihre Exzellenz Herr Botschafter, Ihr Rat oder Ihre Forderung an die EU oder an Deutschland? Und wie sehen Sie die zukünftigen Beziehungen zwischen Taiwan und der EU?

Prof. Dr. Shieh: Also wir haben die ganze Zeit gesagt, dass Taiwan nicht nur Unterstützung braucht, sondern auch an der Jahreshauptversammlung der WHO mitwirken kann, dass Taiwan in der Lage ist bei der Krankheitsbekämpfung mitzuwirken. Der einzige Grund warum wir nicht in die WHO aufgenommen wurden ist, eine politische Überlegung. China sagt, dass Taiwan bereits durch China in der WHO repräsentiert ist, obwohl das eigentlich Quatsch ist.

The Liberalist: Dazu möchte ich nur kurz anmerken, dass Taiwan bei der WHO bei den Fallzahlen als „Provinz China“ geführt wird.

Prof. Dr. Shieh: Eben, das ist Quatsch. Ich habe dafür einen Vergleich: Angenommen die Chinesen haben bis zu einem gewissen Grad die Berechtigung zu behaupten, dass Taiwan zu China gehört, was solange auch nicht der Fall sein kann, wenn Taiwan eine Demokratie und China eine Diktatur ist, und behaupten „Eines Tages holen wir uns Taiwan zurück“, dann setzt doch eine solche Behauptung voraus, dass Taiwan momentan nicht unter der Kontrolle von China steht. Das ist genauso wie mit der Gewissheit umzugehen, dass Sie, ich, dass jeder eines Tages stirbt. Und doch sagen wir doch heute nicht, „Ja, wenn ich sterbe, dann kann ich mich heute schon als tot bezeichnen.“ Das ist genau das gleiche wenn China behauptet: „Wir kriegen eines Tages Taiwan.“ Ja, später vielleicht. Vielleicht. Wenn die Glück haben und wir Pech. Und dieses Argument von den Chinesen ist derart absurd und hinfällig…

Die WHO weiß doch, dass die Antwort von Taiwan und die Position von Taiwan zu bestimmten Fragen sich klar von China distanziert. Und der Gedanke an die Entscheidungen der WHO bringen mich auf die Palme. Trotzdem haben die Chinesen den Alleinvertretungsanspruch. Das hat natürlich Konsequenzen für uns. Italien war das erste europäische Land, welches die Flüge von China gestoppt hat (im Zuge der Corona Pandemie). Hierbei wurden die Flüge von und nach Taiwan auch gestoppt, obwohl Taiwan in der Zeit der Entscheidung immer noch als Vorbild in der Bekämpfung der Pandemie dient. Trotzdem hat Taiwan darunter leiden müssen. Und Sie haben dann die Frage gestellt ob es Hoffnung auf eine Besserung der Lage gibt. Ich würde sagen 30% nein, und 70% ja. Warum?

Ein Dorf in Taiwan

Weil die Art und Weise wie China die akute Lage der Pandemie vertuscht hat und wie mit Kritikern umgegangen worden ist, zu einem Misstrauen gegenüber denen führt. Allein das Beispiel mit dem Augenarzt, der eigentlich von der Regierung als Berater eingeladen werden müsste und stattdessen von der Polizei eingeladen wurde, zeigt das doch. Und eine Bekannte von dem Arzt, die sich für ihn eingesetzt hat ist auch verschwunden. Sie hat versucht seine Aufzeichnungen nachzuvollziehen. Auch viele Freelancer und Blogger sind verschwunden. Auch das ist inzwischen weltweit bekannt. Das heißt, alles wovor wir bis jetzt gewarnt haben, was aber nicht ernst genommen wurde, hat sich jetzt bestätigt. Auch wenn man das nicht öffentlich sagt, dass weiß ich von anderen Politikern oder NGOs. Man ist wachgerüttelt worden. Gut, zwischen wachgerüttelt werden und aufstehen, ist da noch eine kleine Distanz. Aber wichtig ist, dass man wach geworden ist.

Aber ich glaube man hat jetzt die Naivität und das Vertrauen zu China gespürt. Unsere Einstellung nicht nur im medizinischen, sondern auch im industriellen oder geographischen Bereich wird sich ändern. Stellen Sie sich vor, China hat während den letzten 5 Monaten ihre militärischen Ambitionen im Südchinesischen Meer, gegenüber Taiwan sowieso, nicht zurückgeschraubt. Vor sieben Tagen haben sie wieder Kampfflugzeuge rübergeschickt. Wir waren gezwungen auf die Provokation zu reagieren und haben dann auch ein Paar Kampfflugzeuge in die Luft geschickt, um die Chinesen zu warnen. Stellen Sie sich vor, es wäre ein Fehler oder ein Versehen geschehen, dann wäre es in einem Krieg gemündet.

Oder was die Chinesen zum Beispiel jetzt mit den Indern machen, im Grenzgebiet im Himalaja. Und dann auch noch die unglaublichen Aktionen der Chinesen im Südchinesischen Meer. Alle Anrainerstaaten fühlen sich sehr beunruhigt, durch die gewalttätige Bereitschaft Chinas. Von daher gibt es seit zwei Jahren die Indopazifische-Strategische-Allianz. Und gestern haben Australien und Indien einen Sicherheitsvertrag abgeschlossen. Stellen Sie sich vor, Australien ist ja ganz woanders, und Indien auch (von Taiwan aus gesehen). Wer ist wohl der Anlass für dieses Abkommen? Doch sicherlich nicht Taiwan oder Thailand, sondern China, bzw. das kommunistische Regime.

Als weiteres Beispiel sollte man anführen, dass es jetzt eine sogenannte IPAC gibt. Die Initiative wurde von Amerikanern ergriffen. Mittlerweile sind auch Parlamentarier vom EU-Parlament Mitglied geworden. Auch vom Bundestag sind einige Mitglied geworden. Diese Allianz vergrößert sich nun stetig. Man muss zu der Gründung dieser Allianz sagen, dass sie dem Regime in China Angst macht.

Man hatte, ich erlaube mir das zu sagen, in China von den Werten der Freiheit die Nase voll, und Peking hat jetzt die Hosen voll. Es kann so nicht weitergehen.

Die USA, die Republikaner haben jetzt einen Antrag auf einen Taiwan Defence Act gestellt. Wenn dieser Antrag durch beide Kammern kommen würde und Präsident Trump dieses ratifizieren würde, dann könnten die USA Soldaten in Taiwan stationieren. Das bedeutet, dass ein Angriff von China auf Taiwan einer Kriegserklärung gegen die USA gleichkommen würde. Und da kann man gespannt sein, ob China wirklich so stark ist, wie sie sich darstellen. Sie sehen sich als unschlagbar an, obwohl dies nicht der Fall ist.

The Liberalist:  Dann danke ich Ihnen, Ihre Exzellenz Herr Botschafter, für dieses Gespräch.

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